Samstag, 15. Dezember 2012

Der Hobbit - Ein unerwartetes Meisterwerk

Vorinfo: Das einzige, was ich im Vorfeld von dem Film gesehen habe, war der TV-Trailer, und einige zwiegespaltene Kritik. Ich wusste im Vorfeld keine Details über den Storyverlauf. Gleichsam habe ich auch versucht, den Film für euch spoilerfrei zu halten. Er muss als einzelnes Werk gesehen werden, und darf nicht im voraus versaut werden.

http://www.hdwallpapers.in/walls/2012_the_hobbit_an_unexpected_journey-wide.jpg
Was braucht ein Film, um gut zu sein? Was macht einen Film, vor allem, wenn er auf einem Buch basiert, zu einem Meilenstein?
Was auch immer die Antwort ist, ich denke, dieser Film hat sie gefunden.
Trotz der Länge, trotz der Masse an Charakteren, Orten und Nebenhandlungen, wirkt der Film rund, abgeschlossen und öffnet sich selbst für Zuschauer, die die Bücher nicht gelesen haben. Bis auf wenige Ausnahmen, die aber in der Nachfolgetrilogie um Frodo und die Gefährten des Ringträgers groß und breit charakterisiert werden, sind die meisten Charaktere nachvollziehbar und gut charakterisiert und hinterlassen ein prägendes, individuelles Bild beim Zuschauer.

http://www.imaxmelbourne.com.au/images/uploads/The_Hobbit_P1_An_Unexpected_Journey/The-Hobbit-HERO-2.jpgJackson verzichtete merklich kaum auf die neueste und beste Technik. Sein Qualitätsstandard wird durch beeindruckende Kamerafahrten und Landschaftsaufnahmen, aber auch durch unglaublich detaillierte und rund eingefügte CGI- Effekte, mehr als deutlich. Kein Film dieses Jahres zeigte sich derart ästhetisch und bildgewaltig. Ein im Vorfeld groß gelobter "Prometheus" vermag nicht an die optische Masse dieses Films heranzureichen.
Schon dadurch wurde Mittelerde greifbar.

***SPOILER*** Die Handlung drehte sich rund um den seines Thrones beraubten Prinzen Thorin Eichenschild, der sein verlorenes Königgreich des einsamen Berges Erebor von dem Drachen Smaug zurückerobern will. Dieser hatte einst Jahre zuvor seine Sippe, eines von Sieben Großreichen der Zwerge, aus dem Minenberg vertrieben und sie auf eine endlose Odyssee gezwungen, die sie in die Schlacht um Moria und in die Arme marodierender Orktruppen trieb. Die Schlacht war verlustreich für den Prinzen, er verlor Vater und Großvater durch die Hand von Azog dem Schänder, einen brutalen Orkherrscher, und glaubte ihn im Kampf getötet zu haben.
Um also Thorin und seine letzten 12 Kampfgefährten zu unterstützen, holte Gandalf, einer von 5 mächtigen Zauberern in Mittelerde, den in Bescheidenheit und Gemütlichkeit lebenden Hobbit Bilbo Beutlin in die Gruppe, um durch Flinkheit und gewitztes Gemüt den Gefährten im Kampf um ihre verlorene Heimat zu Seite zu stehen. ***SPOILER***

Nebst bekannten Orten und Charakteren treffen die 14 mehr oder weniger ausgestalteten Protagonisten auf zahlreiche neue Gefährten und Gefahren, die ihren Weg begleiten oder sich ihnen in den Weg stellen. Dass ein größeres Übel, wie der zuvor allpräsente Sauron in diesem Film fehlt, ist zu verschmerzen, zumal es hier primär um die Reise geht, ein Motiv, das Tolkien in seinen Büchern gar meisterhaft einzusetzen vermochte. Man verfolgt die Gruppe durch Berge und Täler, die symbolisch für die psychologischen Brüche und emotionalen Wendungen stehen, die einzelne wichtige Mitglieder durchlaufen. Auch die Optik mag, vielleicht dank meisterhaft eingesetzten 3D, und der neuen HFR-Technik, zu diesem Effekt einen Großteil beitragen, trägt sie doch jegliche Emotion des Films, geführt durch die wieder einmal meisterhafte Musik von Howard Shore, noch tiefer an den Zuschauer heran.

Die Sprecher, Schauspieler und Motion-Capture-Künstler wissen zu überzeugen. Selbst Randfiguren, selbst vermeintlich "kleine" Böswichte wirken interessant, keinesfalls nervig, teilweise lustig, aber dennoch immer bedrohlich. Wie bereits angesprochen, sind bereits bekannte Charaktere aus den drei Herr der Ringe -Filmen recht grau dargestellt, lediglich Gandalf bildet, wunderbar und beinahe klamaukig gespielt von Ian McKellen, als altbekannter Leiter und Beschützer, das Dreigestirn neben Bilbo und Thorin.
Martin Freeman spielt Bilbo so versiert, verdattert, unwohl in der Abenteurerrolle, dass man glatt meinen könnte, eine jüngere Version des Ian Holm-Bilbo vor sich zu haben. Durchweg sympatisch, durchweg nachvollziehbar gehalten, und niemals mit weinerlichen Momenten, wie man sie von Eliah Wood alias Frodo kannte. Mancher Freund der Nachfolgetrilogie freut sich jedoch zu Recht über ein wenig Screentime für ihren liebsten Protagonisten.
Doch Bilbo  bleibt der bessere Frodo, und auch Andy Serkis verleiht, wenn auch unterstüzt durch eine verbesserte Effektqualität, der gekränkten Figur des Gollum eine tiefere Seele, gar die Möglichkeit, in dem Zuschauer Mitgefühl zu erwecken.



Nebst der erstklassigen, aber nicht so bombastisch wie im "Herrn" gehaltenen Filmmusik bestechen auch die vertonten Lieder und Gedichte von Tolkien durch ihre gute Umsetzung.  Keine Gesangseinlage nervt, oder wirkt albern wie in vielen anderen Filmen. Das Titellied "Die Nebelberge" bzw. "Das Lied des einsamen Berges", lässt dem Publikum Schauer über den Rücken laufen.
Auch dadurch baut sich eine erstklassige Athmosphäre auf, die durch die gut ausgestalteten Sets und qualitativ hochwertig computergenerierten Antagonisten und Landschaften den Film in diesem Jahr einmalig werden lässt.

Der Hobbit beweist, wie Avatar, Prometheus, Harry Potter 7 oder sogar Transformers hätten sein können. Bildgewaltig, Opulent, aber dennoch unterhaltsam, mit dem typischen Tolkien- Humor und einer gut und vorlagentreuen Umsetzung.
Der Entschluss von Peter Jackson, so stelle ich fest, die Handlung auf 3 Filme zu spannen, war weise und geht nicht nur zu Gunsten des Geldes, sondern zu Gunsten der Vorlage. Nur durch eine ausführliche Erzählung kann sich Mittelerde voll entfalten, und den großartigen Figuren und Reichen von Tolkiens Universum eine Bühne bieten.

Der Humor mag manchmal albern wirken, der Film gar klamaukig gegenüber den drei Vorgängerprojekten, jedoch betone ich in jeder Diskussion immer wieder, dass es um ein Kinderbuch geht. Die brutalen und emotionalen Momente sind vorhanden, wechseln sich stark ab, und verhindern durch eine gute und dynamische Mischung, dass die bombastische Länge von 2 Stunden und 45 Minuten spürbar wird. Wer denkt, dass auch die Bücher den Ernst der Ring- Verfilmung teilen, der kennt die Vorlage nicht.

http://www.heyuguys.co.uk/images/2012/11/Richard-Armitage-in-The-Hobbit-An-Unexpected-Journey.jpg
Kurzum gesagt:
Wenn dieser Film im Frühjahr KEINEN Oscar bekommt, dann ist die Auszeichnung für mich weniger wert, als der deutsche Comedypreis.
Herr der Ringe ist kein bierernstes Fantasydrama. Die Bücher erzählen von einer Reise, von kleinen Leuten, die großes vollbringen, von Abenteuer, von Zusammenhalt, von der Macht von Freundschaft, Mut und Vertrauen.
Dieser Film ist einfach mein persönlicher Film des Jahres. Weil er auf unnötigen Ballast verzichtete, weil er der Geschichte keine unnötigen Klischees andichtete, weil er die großartigen Verse und Gedichte von Tolkien endlich einfügte, und genug öffnete für die nächsten beiden Filme.
Mr. Jackson, sie haben ein Meisterwerk geschaffen, indem sie ein legendäres Buch perfekt verfilmt haben. Danke. Vielen Dank.    

Montag, 24. September 2012

Top Gun (NES, 1987/88)

Wenn ich mit einem Spiel, beziehungsweise der allgemeinen Meinung über dieses Spiel, ein Problem habe, dann ist es auf jeden Fall das erste "Top Gun" für das Nintendo Entertainment System.
Zwar gab es als Franchise-Produkte zum Kampfpiloten-Drama von 1986 unter anderem Spiele für IBM-PCs, C64, und ZX Spectrum, jedoch werde ich mich im folgenden auf das erste Top Gun-Spiel für das NES konzentrieren, welches eine Adaption der Arcade-Version ist.

Konami übernahm die Entwicklung des Spiels, welches daraufhin im November 1987 in Amerika, im Dezember 1987 in Japan und schließlich ein Jahr später, am 30. November 1988 auch in Europa veröffentlicht wurde.
Von dieser Version wurden 2 Millionen Exemplare verkauft. Kein schlechter Wert, wenn man den damaligen Verbreitungsgrad von Videospielen bedenkt.
Das Spiel selbst bemüht sich, einen starken simulativen Charakter aufzubauen. Schon der Title Screen zeigt eine relativ gut gezeichnete Silhouette eines F-14- Jägers, untermalt von dem bemerkenswerten und einprägsamen Score des Tony Scott-Films. Wer darauf hofft, im Spielverlauf mindestens ein einziges Mal "Highway to the Dangerzone" zu hören, wird leider enttäuscht. Bis auf eine ziemlich unpassend wirkende Hintergrundmusik im Waffenauswahlbildschirm (dessen Sinn und Wirksamkeit erörtere ich später), bleibt das Spiel abgesehen von den Spielsounds relativ stumm.
Nach dem Title Screen startet man direkt die erste der vier Missionen.




Vor jeder Mission wählt man zwischen 3 verschiedenen Raketentypen aus. Ein nettes Feature für ein Spiel der damaligen Zeit, mag man zwar denken, jedoch ist es völlig egal, welchen Raketentypus man nimmt. Jede Rakete vernichtet gegnerische Kampfjets, Marschflugkörper und Boote mit einem einzigen Treffer, lediglich mit dem Bord-MG braucht man etwas mehr Schüsse zum Erfolg. Einziger Unterschied zwischen den Projektilen ist die Anzahl (die "stärkste" Rakete ist 10 mal, die "schwächste" 40 mal verfügbar), sodass man automatisch die vermeintlich schwächere Sorte wählt.
Ein kurz eingeblendeter Briefing-Screen zeigt das Missionsziel, welches recht schwammig ausgedrückt wurde und keinerlei hilfreiche Informationen bietet, sowie den vermeintlichen Ort der Mission im Golf von Arabien.

Nun kommen wir zum eigentlichen Gameplay.
Die untere Hälfte des Bildschirms wird von der Cockpit-Anzeige belegt. Angaben zu Füllstand, Höhe und Geschwindigkeit der Maschine finden sich auf der linken Seite, das Radar in der Mitte, über dem Radar eine zehnstufige Lebensanzeige, sowie rechts unten die verfügbare Anzahl an Torpedos. Die restliche Fläche wird von einer Textur in Lackoptik und einigen Messanzeigen ausgefüllt, welche keinem spielerischen Zweck dienen und sich nicht bewegen.

Die umgebende Spielwelt wechselt in den vier Missionen zwischen lediglich zwei verschiedenen Hintergründen: "Knapp unter der Wolkendecke" und "Knapp über der Wolkendecke". Dementsprechend fade sehen die Texturen dieser Umgebungen aus. Ein blauweißer Hintergrund wird durch wabernde Wolken und diverse Gegnertypen unterbrochen. Keine sehr große Abwechslung, wobei hier der Vorteil liegt, dass sich der Spieler voll und ohne Ablenkungen auf das teilweise schnelle und anspruchsvolle Spielgeschehen konzentrieren kann.
Die Gegner selbst bestehen entweder aus feindlichen MIGs, Torpedobooten und U-Booten. Einzig und allein die seltener auftretenden Seefahrzeuge benötigen teilweise mehr als einen Raketentreffer. Im Gegenzug greifen feindliche Kampfjets von mehreren Seiten aus an. Neben Angriffen von vorne, bei denen man schnell entgegenschnellenden Raketen ausweichen muss, machen dem Spieler vor allem die Zielerfassung feindlicher Jets das Leben schwer.
Wenn man nicht innerhalb von 5 Sekunden zur Seite ausweichen kann, kassiert man einen Raketentreffer und verliert einen Versuch. Nach zwei Versuchen ist das Spiel vorbei, und man muss direkt am Anfang des ersten Levels neu anfangen. Checkpoints sucht man vergebens. Es gibt zwar, wie bereits angesprochen, eine Lebensanzeige, diese kommt jedoch nur zum Zuge, wenn man von feindlichen MGs getroffen wird, welche jedoch seltener eingesetzt werden und daher seltener treffen.

Die Sprites der Gegner schwanken zwischen detailliert und verwaschen. Besonders Seefahrzeuge wirken optisch schwach, ebenso wie entgegenkommende Flugzeuge, die auf dem ersten Blick an die alten Game & Watch- Geräte von Nintendo erinnern.
Alles in Allem ist viel Können und Reaktionsschnelle gefragt, wenn man bis zum Ende bestehen will.
Die Missionen selbst enden scheinbar willkürlich. Es gibt kein vorgegebenes Abschussziel oder eine Mindestpunktzahl die erreicht werden muss. Irgendwann setzt mitten im Gefecht ohne Vorwarnung das Landemaneuver ein. Das Flugzeug sinkt automatisch auf etwa 800 Fuß. Hier ist besonderes Fingerspitzengefühl von Nöten. Wer erfolgreich auf dem sicheren Flugzeugträger landen will, muss neben dem Neigungswinkel des Flugzeugs auch die Flughöhe und -Geschwindigkeit beachten, während man gleichzeitig nicht nach links oder rechts abdriften darf.
Ist das Landemaneuver erfolgreich, sieht man eine entsprechende Sequenz, oder seinen Flieger im Meer oder auf dem Landedeck zerschellen. Auch hier verliert man ein "Leben".

Bei längeren Missionen muss man in einem ähnlichen Maneuver an ein Tankflugzeug andocken.

Das Sounddesign ist okay. Wie gesagt fehlt eine Hintergrundmusik während der Gefechte, jedoch hören sich die Turbinen der Jets sowie krachende Explosionen und Raketen durchweg "realistisch" an, soweit das mit der NES erreicht werden kann.

Insgesamt betrachtet kann ich der allgemeinen Meinung über dieses Spiel kaum folgen. Sicher, Kritikpunkte wie wechselhafter Grafikqualität, mangelnde Story und schwacher Abwechslung sind definitiv vorhanden, jedoch sind besonders die eingängige Steuerung und der hohe, fesselnde Schwierigkeitsgrad ein positiver Aspekt, ebenso wie ein gewisser Simulationsdrang und teilweise gute Titlecards zwischen den Missionen.
Sicherlich kein Toptitel, aber für Freunde der einfach gestrickten Flugspiele mit dem Sinn für Herausforderungen sicherlich zu empfehlen.

Es existiert übrigens ein NES-Sequel mit dem Titel "Top Gun: The Second Mission", welches einige Probleme des Vorgängers verbessern soll. So verfügt "The Second Mission" über verbesserte Grafiken, mehr Missionen und einen Ko-op sowie einen Duell-Modus abseits der Singleplayerspiele.
Sobald ich das Spiel erworben habe, werde ich meine Erfahrungen hier mitteilen.